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Florian Gyger
Entwickelt Web und Mobile Apps. Inhaber von Florian Gyger Software.
19. Dezember 2018 - 6 min Lesedauer

2019: Website für Internet Explorer optimieren noch sinnvoll?

Jeder Webentwickler kennt es: man baut eine neue Funktion in die Web App des Kunden ein und möchte nur noch schnell prüfen ob es auch auf allen gängigen Browser sauber läuft... Chrome - check, Safari - check, Firefox - check, Internet Explorer - nicht schon wieder!!!

Auch als Anwender hat bestimmt jeder schonmal die Erfahrung gemacht, dass eine Website im Internet Explorer einfach nicht richtig dargestellt wird oder nicht komplett funktioniert. Ausser natürlich man verwendet den IE bloss zum Download eines anderen Browsers.

Doch was ist denn das Problem mit dem Internet Explorer? Warum wird er trotzdem noch immer genutzt? Und soll man den IE bei der Entwicklung einer Webanwendung im Jahr 2019 überhaupt noch berücksichtigen?

Was stimmt denn nicht mit dem Internet Explorer?

Dass der IE seit Jahren für Frust und Kopfzerbrechen sorgt liegt hauptsächlich daran, dass bei der Entwicklung viele Funktionen und Standards nicht, nur teilweise oder erst sehr spät umgesetzt wurden. Dies nahm schon sehr früh seinen Lauf:

Als das World Wide Web noch relativ jung war wurde 1994 ein Gremium gegründet, welches Richtlinien und Standards für die verschiedenen Webtechnologien festlegen soll. Dieses nannte sich World Wide Web Consortium oder kurz W3C. Mittels der erarbeiteten Spezifikationen soll unter anderem sichergestellt werden, dass Websites auf einheitliche Weise aufgebaut und somit auch auf allen Geräten und mit allen Webbrowsern sinnvoll dargestellt werden können.[1]

Ein Jahr später beschloss Bill Gates mit seiner Firma Microsoft in das damals langsam aufkommende WWW zu investieren, worauf sie noch 1995 die erste Version des Internet Explorer veröffentlichten. Der Browsermarkt wurde zu der Zeit allerdings bereits eindeutig vom Konkurrenzprodukt Netscape Navigator dominiert.[2]

Es folgte ein Schlagabtausch bei dem beide Browser versuchten sich mit jeweils neu entwickelten, eigenen Funktionen zu überbieten. Darunter litt jedoch die Einhaltung der vom W3C definierten Standards, von denen die Programme immer weiter abwichen.[3]

Wenig später gelang es Microsoft dann doch den Netscape Navigator mit einem umstrittenen Trick vom Markt zu drängen: sie lieferten den Internet Explorer einfach vorinstalliert auf dem hauseigenen Betriebssystem “Windows” aus, welches auf so gut wie jedem derzeit verkauften Computer aufgesetzt war. Trotz massiver Kritik und gar einem US-Kartellprozess gegen das Unternehmen gewann die Firma schliesslich den sogenannten ersten Browserkrieg.[2]

Kurz nach der Jahrtausendwende erreichte der Internet Explorer in der 6. Version schliesslich seinen Höhepunkt mit über 95% Anteil der Internetnutzer. Die Abweichungen zu den Richtlinien des W3C blieben dabei bestehen oder wurden zugunsten von eigenen Features weiter ausgebaut. Für Webentwickler bedeutete dies, dass sie ihre Websites explizit für den IE optimieren mussten, statt die Standards einzuhalten, denn schlussendlich sollen die Seiten bei den Anwendern ja bestmöglich dargestellt werden.[3]

Sich in falscher Sicherheit wiegend löste Microsoft das Entwicklerteam des Internet Explorers im Herbst 2001 weitgehend auf.[4]Bald darauf folgte eine Welle von Sicherheitsproblemen (Liste von Sicherheitslücken: http://www.eggdrop.ch/noie/holes.html), denn die überaus populäre Kombination aus Windows und Internet Explorer 6 weckte auch bei den Internetkriminellen grosses Interesse. Viele Nutzer wechselten nun hastig zu alternativen Browsern, wie dem Safari, Opera oder Mozilla Firefox.[3]

Durch die allmählich wieder etwas heterogene Browserlandschaft mussten Webentwickler nun den Spagat zwischen den spezifischen Anforderungen des Internet Explorers und den Richtlinien des W3C schaffen, denn die neuen Browser schienen sich glücklicherweise wieder vermehrt um die Standards des Gremiums zu kümmern. Der resultierende Mehraufwand und die Komplexität dieser Angelegenheit führte zu einer Menge Frust und Kopfzerbrechen unter den Entwicklern. Es gab sogar Bewegungen mit dem Ziel in der Netzgemeinde zum Boykott des Internet Explorers aufzurufen.

Microsoft reagierte spät, sah aber schlussendlich dann ein, dass es unumgänglich wird, sich ebenfalls wieder vermehrt an den offiziellen Richtlinien zu orientieren. Dennoch verbesserte sich die Lage auch mit dem Internet Explorer 7 und 8 kaum.[5]

Als der Internet Explorer im Jahr 2008 bereits über 20% des Marktanteils wieder verloren hatte, veröffentlichte Google obendrein den heute populärsten Browser Google Chrome. Mit der Publikation der ersten Smartphones zwei Jahre später gewannen die Richtlinien des World Wide Web Consortiums weiter an Bedeutung und wurden unterdessen zudem aktiv von grossen Browserherstellern mitgestaltet.[3]

Erst der 2011 erschienene IE 9 brachte deutliche Verbesserungen bei der Einhaltung der W3C Standards. Der Zug war allerdings schon lange abgefahren… Im März 2015 teilte Microsoft schliesslich mit, dass der Internet Explorer 11 der letzte sein werde und die Weiterentwicklung des Produkts eingestellt wird.[5]

Heute bleiben dem Browser noch bescheidene 3% der weltweiten Internetnutzer.[6]Doch wieso wird er eigentlich überhaupt noch genutzt?

Warum wird der IE gerade in der Schweiz noch heute genutzt?

Dass der Internet Explorer trotz der eingestellten Weiterentwicklung nach wie vor genutzt wird liegt auf der Hand. Schliesslich dauert es bei jeder abgesetzten Technologie eine gewisse Zeit bis alle Anwender umgestiegen sind. Das zeigt auch die Nutzungsstatistik des Betriebssystem Windows XP, welches seit April 2014 nicht mehr unterstützt wird und dennoch auf über 4% der weltweiten Computer installiert ist.[7]

Spezifisch beim Internet Explorer können sicher die folgenden Punkte ein Grund sein, warum er noch Anwendung findet:

  • Firmen verwenden teilweise noch Anwendungen, die auf Technologien aufbauen, welche nur im Internet Explorer sauber funktionieren (z.B. ActiveX oder Silverlight).[8]
  • Anwender älterer Windows Betriebssystem erhalten den Internet Explorer noch vorinstalliert und wissen oft gar nicht, dass es auch Alternativen gäbe und warum es sinnvoll ist, solche zu nutzen.[8]
  • Die IT-Abteilung eines Unternehmens gibt die Nutzung des IE vor, weil dieser besonders leicht zentral konfiguriert und verwaltet werden kann.[8]

Diese Begründung erklärt sicherlich wieso es weltweit noch knapp 3% IE-Anwender gibt. Auffällig ist aber, dass der Nutzeranteil gerade hierzulande noch deutlich höher liegt. Mit etwas über 7.5% liegt die Schweiz nämlich auch im deutschsprachigen Raum auf Platz 1.[6]

Über die Hintergründe davon kann man nur spekulieren. Vielleicht hat es unter anderem mit dem noch ausbaufähigen Digitalisierungsgrad der Schweizer Unternehmen zu tun?

Alternativen zum Internet Explorer

Unabhängig vom genutzten Gerät kann heute fast immer zwischen mehreren Browsern gewählt werden. Am beliebtesten ist seit einiger Zeit der Google Chrome, der heute von über der Hälfte aller Nutzer verwendet wird.[6]Das liegt sicher nicht zuletzt an seiner einfachen Gestaltung, guter Performance und dem grossen Funktionsumfang. Auch Browser wie Safari oder Mozilla Firefox sind nach wie vor zu empfehlen.

Der offizielle IE-Ersatz aus dem Hause Microsoft ist der Browser Edge. Er wurde 2015 veröffentlicht und wird standardmässig mit Windows 10 ausgeliefert. Ein wirklicher Hit wurde das Programm allerdings nie.[9]Im Dezember 2018 verkündete Joe Belfiore von Microsoft, dass Edge in Zukunft auf Chromium setzen wird.[10]Diese Web-Rendering-Engine wird unter anderem auch von Google Chrome verwendet. Dank diesem Schritt ist zu erwarten, dass die kommenden Jahre der Web-Entwicklung wieder etwas ruhiger werden und wir durch eine Orientierung an den gängigen W3C Standards so gut wie alle Internetnutzer mit unseren Websites überzeugen können.

Doch wo stehen wir heute? Sollten wir den Internet Explorer im Jahr 2019 noch unterstützen?

Soll man den IE bei der Webentwicklung noch berücksichtigen?

Betrachtet man die aktuellen Trends und den Fakt, dass der Internet Explorer seit 2015 nicht mehr weiterentwickelt wird, so könnte man die Frage sicherlich mit “Nein” beantworten. Möchte man mit seinem Webangebot aber vorwiegend Schweizer Kunden ansprechen, so empfiehlt es sich dennoch darüber nachzudenken. Immerhin haben wir hier noch etwas über 7.5% Anwender des Internet Explorer.[6]

Schlussendlich ist es wohl eine Kostenfrage, denn den Internet Explorer zu unterstützen ist in der Regel mit Zusatzaufwand verbunden. Dieser schiesst zudem exponentiell in die Höhe, je älter die zu unterstützende IE-Version sein soll. Gibt man sich hingegen mit der Kompatibilität zur aktuellsten Version des Internet Explorer zufrieden und hat auch kein Problem damit, dass die Seite unter Umständen leicht anders daherkommt als auf anderen Browsern, so lässt sich die Website auf jeden Fall auch schonend für das Portemonnaie verwirklichen.

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Quellenverzeichnis

  1. Über das W3C. Website des W3C Deutschland/Österreich. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  2. 15 Jahre WWW: Die Browserkriege. Website von Golem Media GmbH. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  3. Browserkrieg. Website von Wikipedia. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  4. Microsoft sammelt Anregungen für Internet Explorer. Website von Heise Medien GmbH & Co. KG. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  5. Internet Explorer. Website von Wikipedia. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  6. Browser Market Share. Website von StatCounter. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  7. Windows XP is still going strong. Website von Windows Latest. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  8. Kommentar zum Internet Explorer: Ein Gespenst geht um im World Wide Web. Website von Heise Medien GmbH & Co. KG. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  9. Microsoft Edge. Website von Wikipedia. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
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